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Tatsächlicher Bedarf unterschätzt

Posted in Kindergarten

Die Gemeinde Walting hat bei ihrer Bedarfsumfrage zwei schwere Fehler gemacht. Einen konzeptuellen und einen handwerklichen. Beide Fehler führen dazu, dass der Betreuungsbedarf unterschätzt wird.

Rückgemeldeter ist nicht tatsächlicher Bedarf

Wie viele Krippenplätze muss man bauen? So viele, dass alle Eltern, die ihre Kinder unter 3 Jahren tatsächlich betreut haben wollen, auch einen Platz bekommen (und dazu noch ein paar mehr – als Puffer). Im Herbst 2017 gab es in Walting eine Elternumfrage, bei der 44 Eltern ihren Bedarf rückgemeldet haben.

Die Workshopgruppe „Neuer Kindergarten“ der Gemeinde Walting meinte: „wir brauchen nur so viele Plätze, wie es Rückmeldungen von den Eltern gibt“. Das ist der konzeptuelle Fehler: denn nicht alle Eltern, die ihre Kinder betreuen lassen möchten, haben die Umfrage auch ausgefüllt.

Diesen konzeptuellen Fehler kann man direkt beobachten: die Planung der Gemeinde aus dem Jahr 2017 hat den tatsächlichen Bedarf für die folgenden zwei Jahre stark unterschätzt.

  • Für 2018 gab es 10 Rückmeldungen im Elternfragebogen.
    • Walting glaubte daher, der Bedarf für 2018 sei 10 Plätze.
    • Es waren aber tatsächlich 20 Plätze belegt, 10 in Rieshofen und 10 in der Großtagespflege. Plus der unbekannten Wartelisten.
  • Für 2019 gab es 17 Rückmeldungen im Elternfragebogen
    • Walting glaubte daher, 2019 würden nur 17 Plätze benötigt.
    • Im Februar 2019 gab es aber 31 Anmeldungen: 21 für Kinder zwischen zwei und drei Jahren in der Mondgruppe und 10 für Kinder unter zwei Jahren bei den Waltinger Mäusen. Dazu kommen 2 bis 6 Kinder, die jetzt schon bei den Waltinger Mäusen sind und auch im Herbst dort bleiben. Das bedeutet: mind. 33 Kinder unter 3 Jahren brauchen eine Platz im September 2019 – vielleicht aber auch 37.

Handwerklicher Fehler

Die Gemeinde Walting hat die Rückmeldungen falsch interpretiert. Die Frage im Elternfragebogen lautete: „Ab wann brauchen Sie einen Platz für ein Kind unter drei Jahren“. Wer hier also 2018 angibt, nimmt sein Kind wahrscheinlich nicht 2019 wieder aus der Krippe, denn – wie Schermer auf der Infoveranstaltung selbst erklärte – sind Kinder üblicherweise für zwei Jahre in der Krippe.

  • Für 2019 gab es 17 Rückmeldungen
  • Die Gemeinde glaubte, man benötigt nur 17 Plätze
  • Für 2018 gab es aber 10 Rückmeldungen. Diese 10 Kinder sind im Folgejahr auch noch zu betreuen
  • Also gab es für 2019 in der Elternumfrage den rückgemeldeten Bedarf von 27 statt 17 Plätzen

Korrigiert man diesen Fehler, kommt man den tatsächlichen Anmeldezahlen vom Februar 2019 schon ziemlich nahe: 31 Anmeldungen, 27 Rückmeldungen.

Krippen zu klein geplant

Klar ist: sowohl durch einen konzeptuellen als auch durch einen handwerklichen Fehler wurde der Betreuungsbedarf für Krippenkinder sehr stark unterschätzt. Fehler machen ist kein Problem. Überall, wo gearbeitet wird, werden Fehler gemacht. Fehler nicht zuzugeben und nicht zu verbessern – das ist dagegen ein Problem.

Deshalb: zweite Krippengruppe statt Sitzungssaal!