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Mit welchem Recht kritisieren Sie Experten? – Bürger Walting Direkt zum Inhalt

Mit welchem Recht kritisieren Sie Experten?

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In Diskussionen wird häufig auf „Fachleute“ oder auf „Experten“ verwiesen.

In der Rhetorik nennt man diese Argumentionsform Argumentum ad verecundiam (Beweis durch Ehrfurcht bzw. Beschämung) oder Autoritätsargument.

  • Person X macht eine Aussage.
  • Person X ist Experte.
  • => Deshalb ist seine Aussage wahr.

Sich sinnvoll auf Experten berufen

Natürlich handelt sich beim Verweis auf eine Autorität nicht notwendigerweise um einen Fehlschluss, besonders wenn

  • der Experte im relevanten Sachgebiet kompetent ist,
  • sich die Aussagen des Experten in der Vergangenheit als belastbar bewährt haben,
  • diese Autorität korrekt zitiert wird,
  • die allgemeinen logischen Regeln der Argumentation eingehalten wurden
  • und Autoritäten mit Gegenansichten berücksichtigt und deren Aussagen widerlegt wurden.1

Wer als Argument auf Experten verweist, muss also diese Punkte berücksichtigen.

Möchte man ein Argument kritisieren, in dem auf Experten verwiesen wird, muss man diese Punkte einzeln unter die Lupe nehmen und analysieren.

Sich unredlich auf Experten berufen

Leider wird das Autoritätsargument häufig nicht auf diese sinnvolle Weise eingesetzt. Bereits vor über 300 Jahren wurde beschrieben, dass der Verweis auf Experten in Diskussionen häufig auf unredliche Weise verwendet wird.

Kritiker „einschüchtern“ und „zum Schweigen bringen“

John Locke kritisierte 1690 in seinem „Essay Concerning Humane Understanding“ (deutsch: Eine Abhandlung über den menschlichen Verstand) in Buch IV, dass der Verweis auf Autoritäten nicht sinnvoll verwendet wird, um andere zu überzeugen, sondern um Kritiker so einzuschüchtern, dass sie zum Schweigen gebracht werden. 2

Kritik an Experten? Wie unanständig!

Solche Menschen verweisen auf Experten, um diejenigen als unanständig dastehen zu lassen, die anderer Meinung sind. Denn durch ihre andere Meinung würden sie ja die Autorität der Experten in Frage stellen. 3

So ein Widerspruch wird dann getadelt, weil man sich der Experten-Meinung nicht fügt, die von den meisten anderen mit Achtung und Unterwürfigkeit angenommen wird.4

Sich eigene Gedanken machen? Frechheit!

Es gilt als Unverschämtheit, Frechheit und Anmaßung,

  • seine eigene Meinung zu äußern
  • und dann auch noch daran festzuhalten
  • obwohl ein Experte anderer Meinung ist5

A gmahde Wiesn mit Experten?

Wer seine Behauptung also auf eine Autorität stützen kann, glaubt, das Spiel schon gewonnen zu haben, denn er kann jeden als unverschämt bezeichnen, der widerspricht.6

Beispiele

Verwendet man das Autoritätsargument auf diese Weise, kann das etwa so klingen:

Was gibt Ihnen die Berechtigung, die Analysen von Fachstellen und Experten anzuzweifeln?

Es gibt eine Bedarfsanalyse von einer Fachstelle. Wie kommen Sie dazu, zu sagen, das könnte nicht ausreichen?

Sie zweifeln schon wieder Fachstellen an!

Mit solchen Äußerungen geht es nicht darum, Sachinformation auszutauschen, sondern den Adressaten zu diskreditieren und „mundtot“ zu machen – oder „zum Schweigen“ zu bringen, wie Locke es ausdrückt.

Diese Beispiele entspringen Diskussionen mit Daniela und Stefan Grillmeier, die so tatsächlich stattgefunden haben, hier und hier.

Von Godfrey Kneller – 1. Unbekannt2. derivate work of File:Godfrey Kneller – Portrait of John Locke (Hermitage).jpg (from arthermitage.org), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110128
  1. Eine allgemeinverständliche Beschreibung dieser Schlussform findet man auf Wikipedia.
  2. Before we quit this subject, it may be worth our while a little to reflect on four sorts of arguments, that men in their reasonings with others do ordinarily make use of, to prevail on their assent; or at least so to awe them, as to silence their opposition. Kostenlos einsehbar hier.
  3. When men are established in any kind of dignity, it is thought a breach of modesty for others to derogate any way from it, and question the authority of men, who are in possession of it.
  4. his is apt to be censured, as carrying with it too much pride, when a man does not readily yield to the determination of approved authors, which is wont to be received with respect and submission by others;
  5. and it is looked upon as insolence for a man to set up, and adhere to, his own opinion, against the current stream of antiquity
  6. Whoever backs his tenets with such authorities, thinks he ought thereby to carry the cause, and is ready to style it impudence in any one who shall stand out against them.