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KiTa Walting ist „sauteuer“ – auch ohne Millimeterpapier

Posted in Kindergarten

Die KiTa Walting schafft für 4,7 Mio Euro 88 neue Betreuungsplätze. Mit diesem stolzen Preis ist die KiTa viel teurer als andere vergleichbare KiTas.

Objektiver Vergleich

Das Baukosteninformationszentrum der Deutschen Architektenkammern (BKI), www.bki.de, bietet ein Werkzeug, um einen Vergleich der Kosten eines Projekts mit anderen ähnlichen Projekten zu ermöglichen. „Die BKI-Baukostendatenbank umfasst mehrere tausend abgerechnete Projekte zu Neubauten, Altbauten und Freianlagen. Diese sind die Grundlage für das BKI-Fachinformationsprogramm im Bereich der Kostenplanung.“, schreibt das BKI. Wir haben hier bereits ausführlich über den BKI berichtet. Die objektiven Zahlen vom BKI erlauben einen Vergleich zwischen verschiedenen KiTas.1

Im Vergleich der Bauwerkskosten von Kindertagesstätten pro Quadratmeter stellt das BKI Anfang 2018 fest, KiTas kosten im Mittel pro Quadratmeter

  • mit einfachem Standard: 1400 €
  • mit mittlerem Standard: 1600 €
  • mit hohem Standard: 1900 €

In Walting kostet der Quadratmeter 2500 €, – deutlich mehr.

Ein Blick in die Zeitung

Natürlich kann man auch einfach in die Zeitung schauen und sehen, was andere Gemeinden so machen. Denn nicht nur Walting befindet sich in der Planungsphase einer KiTa. Zum Beispiel:

Eichstätt

Eichstätt beginnt ein Projekt gleicher Größe, gibt dafür aber 1,8 Mio € weniger aus.2
Im Donaukurier (22. Februar 2019) liest man:

„Demnach ist ein dreigruppiger Kindergarten mit einer Krippengruppe (81 + 13 Plätze) auf knapp 2,6 Millionen Euro taxiert. Abzüglich der Förderung verbliebe bei der Stadt ein Eigenanteil von gut 500.000 Euro netto.“

Beilngries

In Beilngries gibt es eine KiTa, die in der Planungsphase mit 5,1 Mio € taxiert wurde – nur 400.000,- € mehr, als die in Walting. Beilngries bietet dafür aber 50 Kindern mehr Platz (nämlich 138). In Walting heißt es, eine weitere Gruppe für 25 Kinder koste 700.000,- Euro (Quelle: Andreas Glöckl in der Gemeinderatssitzung vom 15. Januar 2019). Der Donaukurier schrieb am 22. September 2017 über das Projekt in Beilngries:

“Vielmehr gehen die Planer jetzt von einer Gesamtsumme von 5,11 Millionen Euro aus.“

“Ab Februar soll das neue Gebäude mit sechs Gruppenräumen (fünfmal Kindergarten, einmal Kita) gebaut werden, im September soll es den 138 Kindern zur Verfügung stehen.“3

Weitere Vergleichsprojekte

Zur Darstellung anderer Projekte im zweiten Flyer des Bürgerbegehrens „Zweite Krippengruppe statt Sitzungssaal“ regte sich Kritik. Die Tatsache, dass die KiTa Walting übermäßig teuer ist, scheint dabei nicht umstritten zu sein. Allein die Begründung wurde kritisiert. Die Beispiele anderer KiTas seien möglicherweise „selbst […] zusammen ‚gezimmert‘ [sic!]“ worden.4

Der Donaukurier berichtete am 30.12.2018, in Berg im Gau würde eine KiTa mit 1 Krippen- und 3 Kindergartengruppen gebaut. Geschätzte Kosten 2,0 Mio €.5

Der Münchner Merkur berichtete am 19.05.2018, in Freising würde eine KiTa mit 3 Krippen- und 5 Kindergartengruppen gebaut. Geschätzte Kosten: 5,2 Mio €.

Die Augsburger Allgemeine berichtete am 26.03.2014, in Bobingen würde eine KiTa mit 2 Krippen- und 4 Kindergartengruppen gebaut. Geschätzte Kosten: 3,3 Mio €.6

Ein Wiesentheider Gemeinderat bloggte am 16.01.2018, es würde dort eine KiTa mit 2 Krippen- und 3 Kindergartengruppen gebaut. Geschätzte Kosten 2,5 Mio €.

Der Flyer des Bürgerbegehrens macht in Bezug auf die Kosten der Waltinger KiTa zwei zentrale Aussagen:

  1. Die KiTa Walting wird „sauteuer“.
  2. Das sieht man, wenn man vergleichbare Projekte anschaut.

In einem Flugblatt wurde kritisiert:

„Vergleiche mit anderen Einrichtungen sind nur dann seriös, wenn sämtliche Details zu den jeweiligen Vergleichsobjekten vorliegen. Es werden jedoch in der Regel nicht alle Details eines Bauprojekts an Privatpersonen herausgegeben.“

Flugblatt vom 9. März 2019

Wahrscheinlich ist damit folgende logische Argumentationsfigur gemeint:

  1. „Man kann Einrichtungen seriös vergleichen.“
  2. „Ein seriöser Vergleich ist nur dann möglich, wenn alle Details bekannt sind.“
  3. „Alle Details werden an Privatpersonen nicht herausgegeben.“
  4. „Herr Zehetleitner ist eine Privatperson.“
  5. „Deshalb ist also der Vergleich verschiedener Objekte durch Herrn Zehetleitner unseriös.“

Ja, Punkte 1, 3 und 4 sind unumstritten: man kann Einrichtungen seriös vergleichen, alle Details eines Projekts werden an Privatpersonen nicht herausgegeben und Herr Zehetleitner ist eine Privatperson.

Allerdings ist Punkt 2 falsch: seriöse Vergleiche unterschiedlicher Projekte sind möglich, obwohl man nicht alle Details kennt – siehe Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern (BKI). Ebenso seriös ist der Blick in die Zeitung.

Argumentationstheoretisch gesehen ist es nicht rational, die Konklusion (Aussage 5) für wahr zu halten, weil nicht alle Prämissen (Aussagen 1-4) wahr sind. Der Schluss ist zwar gültig, aber nicht schlüssig.

Elefanten, Mäuse und Millimeterpapier

Richtig ist, je genauer die Kostenposten in verschiedenen Berichten übereinstimmen, desto genauer ist der Vergleich. Man braucht allerdings kein Millimeterpapier, um festzustellen, dass ein Elefant größer ist, als eine Maus. Die Waltinger KiTa ist so viel teuerer als andere Objekte, dass man es mit bloßem Auge sieht.

  1. Die Gesamtkosten für ein Bauprojekt setzen sich aus vielen Teilen zusammen: der Kauf des Grundstücks kostet Geld, die Erschließung, die Honorare der Architekten und anderen Planer, der Bau, die Außenanlagen, die Inneneinrichtung. Für die Vergleiche des BKI werden nur die sogenannten Bauwerkskosten herangezogen, also die Kosten für die Baukonstruktion und die technischen Anlagen im Bau. Dazu gehören z.B. die Außenwände, das Dach, die Baugrube, die Heizung, die Elektrik und so weiter. All das ist allgemein vergleichbar genormt: BGF Brutto-Grundfläche (DIN 277), Bauwerkskosten: Summe der Kostengruppen 300 und 400 (DIN 276), Kostengruppe 300: Bauwerk-Baukonstruktionen, Kostengruppe 400: Bauwerk-Technische Anlagen
  2. Gesamtkosten Walting: 4,7 Mio €, davon Kosten Sitzungssaal ca. 300.000,- € ergibt 4,4 Mio € für die Waltinger KiTa.
  3. Mit Kita ist hier „Krippengruppe“ gemeint, mit Kindergarten „Kindergartengruppe“.
  4. Flugblatt in der Gemeinde Walting vom 9. März 2019
  5. Überschrift im DK: „Neue Kindertagesstätte kostet zwei Millionen Euro“. „Das sind aber jetzt die geschätzten Kosten“, wird Bürgermeister Roßkopf zitiert.
  6. „In dem 3,3 Millionen Euro teuren Neubau finden vier Kindergartengruppen mit je 25 Buben und Mädchen sowie zwei Krippengruppen für je 14 Kleinkinder Platz.“