Direkt zum Inhalt

Bürgermeister wünscht sich wohlwollende Presse

Posted in Eichstätter Kurier

In der Gemeinderatssitzung vom September 2018 begrüßte Bürgermeister Roland Schermer (CSU) als Berichterstatterin des Eichstätter Kuriers Eva Chloupek als „die Chefin persönlich“.

Schermer schloss die Sitzung mit den Worten:

Vielen Dank für die wohlwollende Berichterstattung.

Wohlgemerkt bevor Frau Chlupek ihren Artikel überhaupt verfasst haben könnte. Diese Aussage offenbart die Geisteshaltung Schermers: er erwartet von der Presse eine wohlwollende Berichterstattung. Keine objektive, keine ausgewogene, keine unabhängige, keine kritische Berichterstattung, sondern eine wohlwollende.

Dazu passt, dass Schermer mehrmals an den Eichstätter Kurier herangetreten war weil ihm die Berichterstattung von Anton Jäger (hier, hier, und hier) wohl nicht wohlwollend genug war. Inzwischen hat Anton Jäger die Zusammenarbeit mit dem Kurier beendet, weil Frau Chloupek seiner Meinung nach die Unabhängigkeit der Berichterstattung nicht ausreichend gegen Schermer verteidigt hat.

Was ist die Aufgabe der Presse? Neben der Weitergabe von Fakten ist die Aufgabe – auch des Eichstätter Kuriers – durch Kontrolle und Kritik an der Meinungsbildung mitzuwirken (Bundeszentrale für politische Bildung). Medien sind die „Wachhunde der Demokratie“ (ebd.)

Dort wird weiter ausgeführt:

„Ebenso, wie es für den Staat legitim ist, Informationen unter dem Deckel zu halten, ist es legitim für die Presse, Informationen, die sie gleichwohl aus dem Bauch des Staates bekommen hat, öffentlich zu machen. „

Stattdessen veröffentlicht der Kurier häufig einfach Stellungnahmen der Gemeinde, die so aussehen, wie eine unabhängige Berichterstattung – tatsächlich aber von Mitarbeitern der Gemeinde verfasst sind (Beispiele im Kurier hier, hier und hier – unsere ausführliche Analyse hier).

Es ist nicht Aufgabe der Presse, Bürgermeister gut aussehen zu lassen.